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KulturNetz förderte Austausch in Finnland
14.11.14 14:14
Alter: 4 yrs




Austauschprogramm in Finnland: Von Helsinki bis Jyväskylä




Im Sommer 2014 war es wieder so weit. Vier Studierende des Masterstudiengangs Kulturwissenschaft und Kulturmanagement nahmen an einem mehrwöchigen Auslandsaufenthalt in Finnland teil, um die bestehende Kooperation mit der HUMAK Universität zu festigen. Sowohl Praktika als auch die Teilnahme an den Seminaren waren möglich. Max Höllen wirkte bei einem Comicfestival in Helsinki mit. Maren Weber besuchte die Seminare des Instituts Kulturmanagement der HUMAK. Agnes Kalla und Kerstin Tscherbakova absolvierten Praktika an verschiedenen Kulturinstitutionen in Jyväskylä.

Kerstin Tscherbakova war für 6 Wochen Praktikantin im „Art Museum Jyväskylä“. Das Museum beschreibt sich wie folgt auf seiner Website:

„Jyväskylä Art Museum is [a] regional art museum of Central Finland. The mission of the museum is to show and collect visual art from Central Finland, Finnish and international printmaking and photography as well as other national and international artwork complementary to museum’s collections. One of the museum's focus points is art and museum education.”

Zu den Hauptaufgaben zählten die Konzeption und zum Teil Durchführung von Workshops für Museumsbesucher_innen, die Mithilfe bei der Organisation von Veranstaltungen und die Entwicklung von Marketingmaßnahmen in englischer Sprache. Über das Praktikum war es auch möglich, viele andere Kulturinstitutionen der Stadt kennenzulernen, wie das Alvar Alto Museum,  das „Craft Museum of Finland“ oder das multikulturelle Zentrum „Gloria“.

Agnes Kalla absolvierte ein sechswöchiges Praktikum im Alvar Aalto Museum in Jyväskylä. Das Museum widmet sich ausschließlich dem Thema Architektur und präsentiert in der Dauerausstellung das Werk Alvar Aaltos, der zu den namhaftesten finnischen Gestaltern seiner Generation zählt und ein bedeutender Vertreter einer „humanen“ Moderne in der Architektur ist.

Das Aufgabengebiet umfasste unterschiedliche Tätigkeiten. Zu Beginn des Praktikums half Agnes  bei der Vorbereitung und Ausrichtung eines internationalen Design-Symposiums. Sie assistierte bei Führungen und verschiedenen Veranstaltungen. Zudem unterstützte Agnes die Mitarbeiter im Archiv des Museums. Ein Schwerpunkt des Praktikums lag außerdem in der Konzeption und Durchführung einer Führung sowie eines Workshops für die Erasmusstudenten der Fakultät Kulturmanagement.

Max Höllen nutzte die Gelegenheit, dass Finnland als Ehrgengast der Frankfurter Buchmesse mit Deutschland derzeit im Bereich der grafischen Literatur – oder besser gesagt: Comics – intensive Partnerschaften und Zusammenarbeiten betreibt. Er absolvierte ein zweimonatiges Erasmus-Praktikum beim Comicfestival Helsinki (Helsingin Sarjakuvafestivaalit), welches 2014 unter den Themen „deutschsprachige Comics“ und „LGBT“ stattfand. Das Festival hat sich seit 1979 mit ca. 25.000 Besuchern und 30 Ausstellungen zum größten comicbezogenen Ereignis Nordeuropas etabliert und wird von der finnischen und internationalen Szene besonders wegen seiner künstlerisch hervorragenden Ausstellungen und dem hohen Maß an freiwilligem Engagement hoch geschätzt. Vor- und Nachbereitung findet im Comic-Zentrum Helsinki (Sarjakuvakeskus) statt. Die mit einem soziokulturellen Zentrum vergleichbare Institution ist zugleich Werkstatt, Schule, Bibliothek, Shop und Café. Sie soll das Medium Comic mehr in der finnischen Gesellschaft verankern und ihm zu einem höheren kulturellen Stellenwert verhelfen. Max versuchte vorrangig seine administrativen Kenntnisse für die Erstellung von Kosten- und Finanzierungsaufstellungen anzuwenden, führte Interviews und schrieb Artikel für den deutschen und englischen Blog. Daneben übersetzte er das Festival-Programm ins Deutsche, illustrierte Poster und vertrat das Zentrum auf anderen Festivals. Beim Aufbau des Zeltes und der zahlreichen Ausstellungen war darüber hinaus jede helfende Hand gerne gesehen. Max konnte damit einen sehr guten Einblick in die finnische Comic-Szene gewinnen und Unterschiede zu den deutschen Verhältnissen feststellen. Insbesondere was die Kulturförderung betrifft unterscheiden sich die beiden Nationen noch erheblich: Während das Medium Comic in Finnland eine hohe institutionelle, seriöse und ästhetische Wertschätzung erfährt, mangelt es dem Comic in Deutschland noch etwas an kultureller Reputation. Finanziell und kulturmanagerial gesehen herrschen jedoch in beiden Ländern ähnliche Defizite – eine Tatsache, die die deutsche Perspektive der Fachpresse auf das „Comic-Paradies Finnland“ oft außer Acht lässt.

Maren Weber entschied sich dafür, das Cultural Management Programm der HUMAK University of Applied Sciences zu besuchen, welches in englischer Sprache für eine Erasmusgruppe aus aller Welt angeboten wurde. Das Seminarangebot umfasste einen „Finnish Culture and Language Course“, einen Cultural Management Course, einen Finnish Film Course und einen Arts Course. Neben den regulären Seminaren waren die internationalen Studierenden fleißig dabei, eigene kulturelle Events zu organisieren, eine Fotografie-Ausstellung im Rahmen eines mehrtägigen Festivals in Jyväskylä bildete neben diversen kleineren Abendveranstaltungen die Hauptaktivität.  Diese praktische Herangehensweise an das Kulturmanagement zeigt die Philosophie des Cultural Management Programms der HUMAK University. Das Lehr- und Lernprinzip  entspricht  in weiten Teilen dem ‚learning by doing’ – ein Bachelorstudium an der HUMAK University startet mit der Praxis: Im ersten Semester müssen die angehenden Kulturmanager_innen innerhalb von zweieinhalb Monaten die Orange Tempest, ein mehrtägiges Festival in Jyväskylä, organisieren. Dabei übernehmen sie von der Organisation über die Finanzierung bis zum Marketing und der Öffentlichkeitsarbeit in allen Bereichen die volle Verantwortung und erarbeiten sich schrittweise die Handlungskompetenzen eines Kulturmangers. Die Dozenten geben lediglich unterstützende Lektüretipps und stehen als ‚Coaches’ zur Verfügung. Die Erfahrung, wie Kulturmanagement funktionieren kann, müssen die Studierenden von Beginn an selbst machen.

Ein Projekt neben den Seminaren war das eigens für die Erasmusstudenten in Leben gerufene „Friendship-Family-Programm“. Finnische Familien und Erasmusstudenten aller Nationen bereicherten sich gegenseitig mit den Eigenarten und Traditionen ihrer Herkunftsländer und tauschten sich bei gemeinsamen Aktivitäten wie Pilze sammeln, traditionellem Kochen mit und für die Friendship Families aus und erweiterten den eigenen Horizont.

Der Aufenthalt in Finnland hat den vier Studierenden sowohl in persönlicher als auch in fachlicher Hinsicht wertvolle Erfahrungen gewährt. Es war interessant, die Mentalität der finnischen Bevölkerung kennen zu lernen, ebenso dürfte der praxisnahe Einblick in den finnischen Kulturbetrieb äußerst wichtige Impulse für das weitere kulturmanageriale Handeln und die berufliche Zukunft mit sich gebracht haben.

Dem Kulturnetz gilt ein großer Dank dafür, dass es einen finanziellen und informierenden Teil zu diesem einmaligen Erlebnis beigetragen hat!








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