Nachrichten   
 
         
     
Maorikultur wird vermittelt
4.07.12 18:00
Alter: 6 yrs




Nachbericht zum ‚Talk im Netz‘ im Linden-Museum Stuttgart



Martin Otto-Hörbrand beantwortete jede Frage


Am Abend des 19. Junis begrüßte unser Vorsitzender Roland Mahr die 30 anwesenden KulturNetz-Mitglieder im Lindenmuseum zum ‚Talk im Netz’. Nach einer kurzen Einführung in das Themenjahr „Kulturvermittlung“ hieß auch Martin Otto-Hörbrand (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und KulturNetz-Mitglied) alle willkommen. Das Linden-Museum sei als Haus mit viel Potential ein Vertreter der ganzheitlichen Kulturvermittlung. Die Strategien sollen nicht nur in der Museumspädagogik begründet, sondern im Marketing und anderen Abteilungen fortgesetzt werden.

 Die Führung durch die Ausstellung ‚Maori. Die ersten Bewohner Neuseelands‘ übernahm Museumspädagogin Ulrike Bohnet. Bereits bei ihren ersten Worten konnten die Anwesenden nachvollziehen, wie das Linden-Museum die Kulturvermittlung versteht: Das Plakat zur Ausstellung zeigt einen Maori mit Gesichts-Moko (Tätowierung). Schon bei der Gestaltung dieses Werbemittels sei die Museumspädagogik beteiligt gewesen, weil für jede Ausstellung ein neues Vermittlungskonzept geschaffen werden muss. Das Spiel mit den Vorurteilen der potentiellen Besucher müsse dabei ebenso Platz finden wie die Vermittlung korrekter Fakten, so Ulrike Bohnet. Nach einer kurzen Diskussion über das Plakat begannen wir den Gang durch die Ausstellung. Begrüßt wird der Besucher von großen Bildschirmen auf denen ein kraftvolles Musikvideo abgespielt wird. Zu sehen ist ein junger Maori der traditionelle Musik in einen populären Zusammenhang bringt. Die meisten Museumsbesucher sind von der Lautstärke und Bildgewalt zunächst leicht verstört. Die Museumspädagogin erklärte, dass diese „beeindruckende Präsenz“ der Musik gewollt sei, um im ersten Kontakt mit der Ausstellung deutlich zu machen, dass es nicht nur um vergangene Zeiten der Ureinwohner geht, sondern ebenso um die gegenwärtige Kultur Neuseelands.

 Diese Brücke schlagen auch die anderen Ausstellungsstücke; so kann man zunächst den Blick auf eine Karte Neuseelands werfen, auf der die verschiedenen Legenden und Mythen um die Erstbesiedlung des Landes nachgezeichnet wird und direkt daneben eine Installation sehen, die den Kampf der Maoris um den Besitz ihres Landes darstellt. Seit 1970 breitet sich in Neuseeland eine Akzeptanz für die Kultur der Ureinwohner aus. Die Sprache der Maori wird auch von Nicht-Maoris gelernt und gilt als Amtssprache. Speziell für die Kulturvermittlung ergibt sich aus den Legenden rund um die ungeklärte Besiedelung und die politischen Diskrepanzen die Aufgabe, komplizierte Zusammenhänge verständlich darzustellen. So gestaltete Ulrike Bohnet mit den anderen Mitarbeitern der Museumspädagogik (meist freie Mitarbeiter) eine Kinderebene die mithilfe des bekannten Vogels ‚Kiwi’ bei jedem Ausstellungsstück in einfachen Worten den Sachverhalt erläutert. Eine Handpuppe in Form des Maskottchens begleitet die Kinderführungen.

Im Raum „Tatauieren“ wurde die Verbindung zur zeitgenössischen Kultur sehr deutlich sichtbar. Tattoos in ihrer Eigenschaft als Körperschmuck sind in Europa zu Alltagskultur geworden. Da dieses Thema bereits auf dem Plakat dargestellt wird, hinterfragten wir die genaue Intention. Ulrike Bohnet und Martin Otto-Hörbrand legten bei der Konzeptualisierung des Vermittlungsaspekts einen Schwerpunkt auf die Generierung neuer Besuchergruppen. So wird eine „Gruppe mit einem speziellen Teilthema“ angesprochen. Die Einladung von Experten und die Planung eines Tattoo-Tages ist maßgeschneidert für ein jüngeres Publikum als es sonst im Lindenmuseum vertreten ist. Durch die Übertragung der traditionellen Handlungen in einen gegenwärtigen Kontext können die beiden Hauptansprüche des Staatlichen Museums für Völkerkunde bedient werden: Das kulturelle Erbe wird bewahrt und die Besucher werden für andere Kulturen sensibilisiert. Eine zielgruppenspezifische Strategie ist vonnöten, um neues Publikum zu generieren und langfristig ansprechbar zu machen. Die Verbindung zwischen Tradition und Gegenwart sind ein Schlüssel, damit Leute, auch über ihre Stereotypen gelockt, ins Museum gehen. Diese Bilder wollen die Museumspädagogen kennenlernen, damit sie das Publikum dort abholen können und durch die Präsentation von Fakten dieses Bild ändern und so am Ende einen Lerneffekt erzielen.

 Bereits während der Führung durch das Museum wurde viel gefragt und diskutiert. Am Ende versammelte sich die ganze Gruppe in einem Marae (Versammlungshaus der Maori) und setzte sich detaillierter mit verschiedenen Aspekten der Kulturvermittlung auseinander. Ulrike Bohnet legt dar, wann und wie die Museumspädagogik in die Planung einer Ausstellung einbezogen wird. Zudem erläuterte sie, wie wichtig hierbei die Kenntnis des aktuellen Lehrplans in den Schulen sei, um Anknüpfungspunkte für alle Altersklassen zu finden.

Die Frage nach einem partizipatorischen Gehalt im Vermittlungsprogramm wurde vor allem als Chance gesehen und so beantwortet: „Viele Menschen, die sonst nicht ins Museum gehen, kann man nur durch Partizipation gewinnen“, so Ulrike Bohnet. Zum Thema der Nicht-Besucher fügte Martin Otto-Hörbrand noch hinzu, dass das Lindenmuseum durch seine häufigen Themenwechsel eine große Chance hat neue Zuschauer zu generieren: „Mit jedem neuem Thema stellt sich die Frage: Wen kann man damit neu bekommen?“

 Nach zwei Stunden Führung und Diskussion klang der interessante und lehrreiche Abend aus.

 








<- Zurück zu: Aktuelles
 
KulturNetz e.V. - Das Netzwerk für Kulturmanager - Impressum - Login