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Kulturnetztag: Wie er war
28.11.11 09:03
Alter: 7 yrs




Für alle die am 22. November nicht beim Kulturnetztag dabei sein konnten, hier ein kleiner Rückblick.



Am 22. November luden das KulturNetz e.V. und das Kulturzentrum Karlskaserne Ludwigsburg ein zur Podiumsdiskussion „Wenn Kunst vermittelt werden muss…“. Der Diskurs fand auf der kleinen Bühne im Kulturzentrum Karlskaserne in Ludwigsburg statt. Neben rund 40 Mitgliedern des Vereins kamen auch einige interessierte Nichtmitglieder.

 Auch in diesem Jahr moderierte die Kulturredakteurin Lerke von Saalfeld die Diskussion, zu der vier Vertreter aus den Bereichen Politik (Achim Könneke), Kunst (Sudabeh Mohafez), Wissenschaft (Prof. Hendrikje Mautner-Obst) und Kulturbetrieb (Rainer Kittel) eingeladen waren.

 Direkt zu Beginn wurde von allen Teilnehmern festgestellt, dass „Kulturvermittlung“ unterschiedliche Ebenen und Dimensionen habe und man keine Pauschallösung zu Umgang und Stellenwert in einem Kulturbetrieb bieten könne. Prof. Hendrikje Mautner-Obst, Juniorprofessorin für Musikvermittlung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, berichtete einleitend von ihren Erfahrungen mit den jungen Studenten, die zwar Musik studieren, aber nicht immer Verständnis für neue Kunstformen aufbringen könnten, nur um mehr Zuschauergruppen anzusprechen. Auch Achim Könneke, Leiter des Kulturamtes Freiburg und Mitglied des Bundesvorstandes der Kulturpolitischen Gesellschaft, bestätigte diese Haltung, indem er Nicht-Nutzer als unansprechbar bezeichnete und seinen Fokus auf die Gewinnung von Gelegenheits-Nutzern legte. Zwar würden auch in Freiburg viele Projekte mit sozial benachteiligten Gruppen vom Kulturamt unterstützt, jedoch ständen dort die sozialen Effekte von Kunst (Gemeinschaftsgefühl in Theatergruppen etc.) eher im Mittelpunkt als die Vermittlung von kulturellem Gut.  Die Schriftstellerin Sudabeh Mohafez, die selber auch Schreibwerkstätten leitet, konnte diesen Eindruck ebenso belegen. In ihren Seminaren seien die Schulklassen meist mit viel Engagement dabei, aber die pädagogische Ausbildung hätten Künstler nicht und so sollten diese auch nicht primär für die soziale Entwicklung der Jugendlichen verantwortlich sein. Vielmehr sei die Aufgabe von Kulturvermittlung als Dienst an der Kunst zu verstehen. Die Kunst muss weiterhin im Mittelpunkt stehen, so die Schriftstellerin.

Rainer Kittel, der als stellvertretender Leiter der Kunstschule Labyrinth und als Künstlerischer Leiter der Venezianischen Messe nicht nur selber Kunst ermöglich, sondern sich auch seit 20 Jahren im Bereich kultureller Bildung in der Karlskaserne verantwortlich zeigt, konnte aus seinen Erfahrungen berichten, dass die Kinder und Jugendlichen nicht nur ein soziales Verständnis, sondern auch ein neues Gespür für Kultur entwickeln.

 Für die anwesenden (und teilweise angehenden) Kulturmanager ließ dieses recht einträchtige Podium Raum zur anschließend eröffneten Diskussion. Verständnis für Kunstschaffende konnten die meisten aufbringen und keiner der Zuhörer vermochte der Kunst Freiheiten nehmen, nur damit Kunstrezipienten nicht reflexiv tätig sein müssen. Jedoch wurde aus managerialer Sicht argumentiert, dass neue Besuchergruppen in allen Kunst- und Kulturgattungen akquiriert werden müssen.

 Abschließend blieb Lerke von Saalfeld zu resümieren, dass die Kulturvermittlung noch nicht in allen Dimensionen ausgeschöpft sei und noch einige Erfahrungen gemacht werden müssen, um sich für oder gegen pädagogische Konzepte in Kulturbetrieben zu entscheiden.

 Bei einem anschließenden Umtrunk und Häppchen klang der KulturNetz-Tag mit genügend Diskussionsstoff und dem ein oder anderen neuen Eindruck aus.








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